Besuch beim Mixed Reality Lab

An einem der heißesten Tage des Jahres ein Labor im Dachgeschoss zu besuchen, das zudem voll bestückt mit Laptops, Rechnern, Beamern und anderen Wärmequellen ist, stellte eine besondere Herausforderung an unser Team dar. Doch was uns der Leiter des Labors für Erweiterte und Virtuelle Realität (Mixed Reality Lab) an der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik an der Hochschule Coburg, Prof. Dr. Jens Grubert, im Laufe seines Rundgangs zeigte, entschädigte für die Schweißtropfen.

In vielfältigen Forschungs- und Industrieprojekten werden Möglichkeiten der Interaktion zwischen Mensch und Maschine untersucht. Dazu kommen verschiedene Tools und Hardware zum Einsatz.

Mit Datenbrillen erhält der Benutzer beispielsweise zusätzliche Informationen ins Blickfeld projiziert zu dem Objekt, das er gerade ansieht. In der Industrie können damit Kundendienstmonteure am defekten Gerät vor Ort visuelle Unterstützung erhalten, indem ein Serviceleiter in der Zentrale die Bauteile virtuell mit farbigen, grafischen Hinweisen versieht, die bearbeitet werden können. Der Monteur erhält so eine direkte Unterstützung in seinem Sichtfeld und kann schnell und fehlerfrei agieren.

Über Augmented Reality Datenbrillen wie der Microsoft HoloLens, wird die reale Welt mittels der eingebauten Kameras aufgenommen, um virtuelle Elemente ergänzt und als „Mixed Reality“ im Sichtfeld angezeigt. Der Benutzer hat den Eindruck, als befände sich das Objekt im realen Raum. Eine Steuerung der virtuellen Objekte erfolgt intuitiv mittels Handgesten, die von den Brillenkameras erkannt und umgesetzt werden. Datenbrillen der Virtuellen Realität, lassen uns hingegen in vollständig künstlich erzeugte Welten eintauchen.

Auch ein 3D Scanner sowie ein optisches Motion Capture System zur Digitalisierung und Weiterverarbeitung von menschlichen Körpern und Bewegungsabläufen sind im Labor für Forschungsprojekte im Einsatz. Beim 3D Scanner erfassen knapp 100 Kameras Objekte oder menschliche Körper. Daraus entstehen dann virtuelle 3D Objekte, die z.B. wieder ausgedruckt werden können um so einen „3D Selfie“ zu erstellen. Beim Motion Capture Systeme vermessen im Raum verteilte Sensoren das Objekt (z.B. einzelne Körperteile oder den ganzen Körper) anhand von kleinen reflektierenden Kugeln und können so in Echtzeit die Position in 3D millimetergenau und sehr schnell ermitteln. Mittels solcher Technologien werden beispielsweise in Hollywoodfilmen digitale Kreaturen animiert, indem ein Schauspieler die Bewegungen performt, das Motion Capture System dies ausmisst und auf das Modell im Computer überträgt. Auch zur direkten und intuitiven Steuerung von Robotern kann dies in der Industrie eingesetzt werden.

Randbedingung beim Einsatz dieser Technologie: sie funktioniert optimal in abgedunkelten Räumen. Bei unserem Besuch bedeutete dies: Fenster schließen, kühlenden Wind draußen lassen und die steigende Temperatur hinter den Vorhängen aushalten. Aber die beeindruckenden Anwendungen von Prof. Dr. Grubert waren die Mühen wert. Aus seinem Mixed Reality Lab können wir künftig sicher noch einige innovative Entwicklungen erwarten.