Scheitern passiert auf den unterschiedlichsten Wegen und mit den unterschiedlichsten Konsequenzen – wichtig ist, dass man wieder aufsteht und weitermacht. Das zeigten die drei sehr unterschiedlichen Geschichten unseres bereits 3. Coburger Fuckup Clubs. In der alten Posthalle der Hauptpost berichteten Bernd Albrecht (Buttonorder), Claudia Schmeißer (Louise genießt) und Wolfgang Heyder (Sportmanager) von ihren großen und kleinen Stolpersteinen als Unternehmer und wurden vom Publikum vor allem für eines mit reichlich Applaus belohnt: ihren Mut, vor über 100 gespannten Zuschauern über ihre Fehler zu sprechen.

Den Anfang machte Bernd Albrecht, der in den 90ern in Coburg einen Plattenladen eröffnete – oder besser für viele Coburger DEN Plattenladen. Doch auch die große Beliebtheit des „Tontopf“ half nichts im großen Wandel der Musikindustrie. Als der Plattenverkauf immer schlechter lief und der Laden in Richtung Insolvenz steuerte, machte Bernd Albrecht eines richtig – er schenkten den Wünschen seiner Kunden Beachtung und kaufte sich von seinem „letzten“ Geld eine Buttonmaschine. Denn seine selbstgefertigten Buttons mit Plattencovern wurden immer stärker nachgefragt. Der Rest ist Geschichte – und für alle Coburger in großen Lettern am Ortseingang von Lautertal zu sehen: Er gründete Buttonorder – mit mittlerweile etwa 25 Mitarbeitern und weltweiter Kundennachfrage ein erfolgreiches Startup aus dem Coburger Land.

Auch Claudia Schmeißer hat mit ihrem Unverpackt-Laden in Erfurt nicht einfach irgendein Geschäft eröffnet, sondern sich einen Traum erfüllt. Nach über einjähriger Vorbereitungszeit – erst gemeinsam mit zwei Partnern und schließlich alleine – eröffnete sie den ersten verpackungsfreien Laden in Thüringen. Und stellte schnell fest, dass sie sich zwar mit viel Leidenschaft, Enthusiasmus und Beratung selbstständig gemacht hat, aber dennoch mit manche Hürde nicht gerechnet hatte. Das größte Problem: Der Laden war unterfinanziert. Dass sie ihn aufgeben und Insolvenz anmelden musste, hat sie zwar ordentlich ins Straucheln gebracht, doch ihren Kampfgeist nicht unterkriegen lassen. Heute berät sie Gründer von Unverpackt-Läden, damit sie von ihren Fehlern profitieren können und startet privat wie beruflich neu in Leipzig.

Dagegen hat der Bamberger Wolfgang Heyder seine neue berufliche Heimat in Erfurt gefunden – er gründete den Basketballverein Basketball Löwen Erfurt und spielt mit seiner Mannschaft in der zweiten Liga. Bekannt ist Wolfgang Heyder vielen auch als Geschäftsführer des HSC Coburg und der Brose Baskets, mit denen er alleine dreimal das Double aus Meisterschaft und Pokal holte. Eine Erfolgsgeschichte durch und durch – doch auch ein erfolgreicher Sportmanager erlebt kleine und große Fuckups: Bereits während seines Lehramtstudiums und ehrenamtlichen Engagements im Basketball baute er mit seiner Frau und einem Freund eine Veranstaltungsagentur auf – die während des Studiums zwar erfolgreich lief, mit der er am Ende aber dennoch 300.000 Euro in den Sand gesetzt hat. Geliehen von seiner Familie. Neben der Frage „Wie sag ich es meiner Familie“ musste er sich damals auch überlegen: Werde ich Lehrer oder stehe ich auf und verfolge weiter den Weg, den ich eigentlich gehen möchte – nämlich meine Energie in den Basketball stecken. Er hat seine Energie in den Sport gesteckt und Großes erreicht – aber nicht ohne auch dabei Fehler zu machen und Tiefschläge verkraften zu müssen, wie zum Beispiel nach der Trennung von den Brose Baskets Bamberg.

Aber wer hinfällt und wieder aufsteht findet den Weg zurück in die Erfolgsspur – das zeigen die drei Geschichten des Abends. Auch wenn sie für den Moment vor allem unterhalten haben, sind sie vor allem Inspiration für alle Zuschauer auch einmal ein Risiko einzugehen und etwas zu wagen – nach dem Motto: scheitern erlaubt, aber scheiter g’scheit!

Für alle, die sich inspiriert fühlen, ihre individuelle Geschichte zu erzählen oder sich einfach auf neue Geschichten aus dem Fuckup Club freuen – der 4. Fuckup Club folgt im Herbst.

Wir bedanken uns bei REGIOMED Coburg (Location), Jenny Huth (Moderation), Maximilian Heeb (Foto und Film) sowie unseren drei Protagonisten für ihre Unterstützung beim 3. Fuckup Club!

 

Hier geht es zu den Bildern vom 3. Coburger Fuckup Club.