Über 100 Länder mit Netzinfrastruktur, 97 Millionen Geräte weltweit, maximale Batterielaufzeit 15 Jahre – mit beeindruckenden Zahlen begannen Björn Borst und Michael Rubenbauer von baeren.io aus Würzburg ihren Vortrag über LoRaWAN. Dieses niederfrequente Netzprotokoll benötigt zur Übertragung wenig Energie und überträgt einfach Messwerte und Impulse von Sensoren. Diese Funktechnologie ist in anderen bundesdeutschen Städten und vor allem im europäischen Ausland bereits erfolgreich im Einsatz. Sie hat den Vorteil, dass durch den sehr geringen Energiebedarf für die Übertragung eine lange Batterielaufzeit der Sensoren möglich wird, die in der Regel 5 bis 10 Jahre beträgt.

Die einmal installierten, nur Zigarettenschachtel große Sensoren übertragen also ohne Wartung jahrelang zuverlässig völlig autonom die Messdaten. Durch die niedrige Frequenz, die zur Verwendung keine Lizenzierung benötigt, kann eine große Flächenabdeckung mit wenig Sendeantennen erreicht werden: ca 1 bis 3 Kilometer beträgt die durchschnittliche Reichweite einer Antenne.

Die Experten von baeren.io präsentierten eine bunte Palette von bestehenden Sensoren, die heute erhältlich sind: Multifunktionssensoren (Temperatur, Luftfeuchte, Barometer, GPS, 3D-Beschleunigung, 3D-Magnetometer), Helligkeit, Feinstaub, Drucksensoren, Erdfeuchte, Tür-/Fensterkontakte, Durchgangszählung, GPS-Tracker, Strom-/Wasser-/Gaszähler, umfangreiche Umweltsensorik. Mit anschaulichen Praxisbeispielen skizzierten sie erfolgreiche Use Cases aus Industrie, Smart City, Landwirtschaft und Energieversorgung.

Die Verwendbarkeit dieser Netzwerktechnologie in unserer Region beschrieb dann Uwe Meyer von der süc//dacor, die gemeinsam mit dem Energieversorger SÜC hier in Coburg ein LoRaWAN-Netz aufbauen wird, das genutzt werden kann. Er lud alle Anwesenden auf, sich bei der Entwicklung zu beteiligen und gemeinsam Anwendungsideen zu entwickeln, diese Technologie nutzbringend in der Coburger Region einzusetzen. Etliche anwesende regionale Energieversorger bekundeten ihr Interesse, am Aufbau der Netzabdeckung in der Region mitwirken zu wollen. Unter der Projektseite www.lorawan-coburg.de wird die Entwicklung dokumentiert und dort steht auch eine Anmeldung zum Newsletter bereit, um zum Thema informiert zu bleiben.

Die angeregte Diskussion zeigte bereits einige Anwendungsideen auf und auch beim anschließenden Austausch bei einem kleinen Snack wurde der Wunsch nach einer Fortführung des Themas bekräftigt.

Zum Gründer:Salon #21 haben wir uns dem Thema Nachhaltigkeit beim Gründen gewidmet – gemeinsam mit den Wohltuern aus Coburg. Tobias Wüstefeldt, Gründer der Wohltuer berichtet von seiner Erfahrung mit der Gründung eines nachhaltigen e-Commerce-Unternehmens. Mit einem Startkapital von 12.500 Euro und einem Co-Gründer ist er gestartet, um über das Internet nachhaltige und gesunde Lebensmittel zu vertreiben. Dass die Wohltuer heute so hohe Umsätze machen hat er vor allem einem zu verdanken, sagt er: Dass sie rechtzeitig auf den Zug der Superfoods und gesunden Lebensmittel aufgesprungen sind. Heute wäre es nicht mehr so einfach, sich an diesem Markt zu profilieren.

Um den Erfolg zu halten, erfordert es neben dem Entdecken von immer neuen Produkten auch das richtige Storytelling und die richtige Kundenansprache bzw. Kundenservice. Vor allem beim Thema Nachhaltigkeit ist es wichtig den Kunden mitzunehmen und persönlich abzuholen. Viele sind dann z. B. auch bei Fehllieferungen bereit auf Retouren oder ähnliches zu verzichten. Nachhaltigkeit ist für Wohltuer nicht nur bei den Produkten ein wichtiges Thema, auch bei Herstellung, Versand und Verpackung. Auf Produkte aus Übersee und damit den Transport zu verzichten ist manchmal wirtschaftlich aber dennoch nicht möglich, wenn die Nachfrage groß ist. Doch es gibt die Möglichkeit durch Partner und Zertifikate auf eine nachhaltige und ökologische Anbauart vor Ort zu achten und den Kunden durch ein Angebot von lokalen, ähnlichen Produkten vielleicht von diesen zu überzeugen.

Bevor die angeregte Diskussion in der großen Runde in ausführlichen Gesprächen in kleiner Runde weiterging, nutzte Tobias Beuschel noch die Chance seine Jahreskampagne von picabird vorzustellen zum Thema Food und Kochen vorzustellen und mit anderen Gründern und den Wohltuern darüber ins Gespräch zu kommen.

Vergessen, den letzten Impfschutz aufzufrischen? Für den sperrigen Motorrad-Auspuff findet sich keine Versand-Möglichkeit? Die Steuererklärung kostet viel zu viel Zeit bei der Suche nach Belegen? Das sind nur drei Probleme, die Studierende der Informatik und Unternehmensvertreter gemeinsam im Rahmen des Kurses „How to start a Startup“ mit neuen Geschäftsideen gelöst haben.

Denn der Kurs an der Hochschule Coburg diente nicht nur dazu, Studierenden aufzuzeigen, wie sie einer kreativen Idee strukturiert ein Geschäftsmodell aufbauen können, die Digitalisierungsinitiative Zukunft.Coburg.Digital öffnete diesen Kurs im Sommersemester erstmals auch für Unternehmensvertreter: „Von der Idee zum Geschäftsmodell – dieser Prozess ist auch innerhalb eines Unternehmens beim Umsetzen von Innovationsprojekten wichtig“, sagt Andreas Kücker von Zukunft.Coburg.Digital. Er führte gemeinsam mit Jochen Flohrschütz, Dozent und Innovationsmanager bei Brose, 25 Studierende und Unternehmensvertreter in sechs gemischten Teams durch die Lerneinheiten.

Basis bilden die an amerikanischen Elite-Unis wie Stanford oder Berkeley gelehrten Methoden und Vorgehensmodelle erfolgreicher Startups. Hierbei wird systematisch die Idee in engem Kontakt mit der anvisierten Kundengruppe verfeinert, bis ein tragfähiges Geschäftsmodell entsteht. Die Studierenden bereiteten dabei die Lerninhalte zuhause selbständig mit Onlinevideos vor und nutzten die Lehrstunden zum Austausch mit den Kommilitonen und zum Feilen an ihrer Idee. „Es gibt kein Patentrezept für den Erfolg einer Geschäftsidee. Aber durch die konsequente Anwendung der von uns vermittelten Methoden lernen die Teilnehmer, wie man ein digitales Geschäftsmodell entwickelt und schnellstmöglich auf den Markt bringt.“, resümiert Kursleiter Jochen Flohrschütz, der den Kurs bereits zum vierten Male anbietet.

Die Ideen der Teams behandelten ganz unterschiedliche „pain points“, also Schmerzpunkte der Zielgruppe, die sie dann mit ihrer Lösung beheben wollten. Von Mitfahrgelegenheit für sperrige Güter, digitalem Impfpass, Online Sportcoach, Belegmanagement für die Steuererklärung, Trainingsunterstützung für Laufsportler bis hin zur Kreation von Leberkäsevariationen nach Kundenwunsch reichten die Konzepte der Teilnehmer. „Für uns ist es wichtig, den

Studierenden aufzuzeigen, dass die Gründung eines eigenen Unternehmens mit einem methodischen Leitfaden für jeden eine Option sein kann. Daher haben wir als Digitales Gründerzentrum dieses Seminar gerne unterstützt“, sagt Andreas Kücker.

Die Mischung aus Studierenden und bereits im Berufsleben stehenden Mitarbeitern von regionalen Unternehmen war für beide Teile eine bereichernde Erfahrung. Einige der Teams wollen ihre Businessideen auch nach Kursende weiterverfolgen und vielleicht sogar als neues Startup die regionale Gründerszene bereichern.